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Solex Modell

Über mich – Eine Leidenschaft fürs Leben

Ein Franzose, ein Solex und eine Geschichte, die nie enden wollte …

Patrick Fritsch – Gründer von SOS VéloSolex

Als französischer Staatsbürger wurde mir das VéloSolex praktisch in die Wiege gelegt – in meiner Kindheit hatte jede Familie mindestens eins, manchmal auch zwei … oder wenigstens ein halb funktionierendes.

Es war damals einfach Teil des Alltags – so selbstverständlich wie Baguette und Rotwein. Ich erinnere mich noch gut an unsere Nachbarn: elf Kinder, ein Haus voller Leben – und nur ein einziges Solex! Unglaublich, oder? Damit wurden alle Wege erledigt: Einkäufe, Arzttermine, Behördengänge – alles auf zwei dünnen Rädern mit 49 Kubik und einem blauen Rauchfähnchen hinterher.

Heute wäre das undenkbar. Für so eine Großfamilie bräuchte man mindestens drei SUVs und einen Routenplaner.

Ich gehöre zu jener Generation, die mit dem VéloSolex groß geworden ist. Für uns Kinder war es völlig normal, das Solex vom Onkel, der Oma oder dem Cousin mal eben „auszuleihen“, ganz gleich, ob mit oder ohne deren Wissen. Und wenn dabei mal etwas kaputtging – was fast immer der Fall war –, gab's nicht nur Ärger, sondern gleich die passende Abreibung gratis dazu.

Wir kannten den garde-champêtre, den örtlichen Feldhüter – und er kannte uns. Er wusste genau, wo wir hingehörten, und drückte meistens beide Augen zu, solange wir es nicht zu wild trieben.

In den 60er-Jahren ging das noch: Der Verkehr war dünn, die Straßen waren ruhig, und der Traum vom eigenen Auto war für viele noch weit entfernt.

Meine ersten Begegnungen mit der Technik

Meine Großmutter besaß ein kupplungsloses VéloSolex 1400er mit Rundrohrrahmen. Und da ich als Kind ausgesprochen neugierig und, sagen wir mal, nicht unbedingt der ruhigste Vertreter meiner Altersklasse war, unternahm ich meine ersten Fahrversuche kurzerhand heimlich mit ihrem Solex.

Was sollte schon schiefgehen? Nun ja, vermutlich eine ganze Menge!

Aber genau diese Neugier war der Anfang meiner lebenslangen Begeisterung für das kleine motorisierte Fahrrad.

In unserem Dorf besaß praktisch jeder Haushalt mindestens ein Solex. Die älteren bastelten regelmäßig an ihren Maschinen herum, und für mich gab es kaum etwas Spannenderes, als ihnen dabei zuzusehen und herauszufinden, wie diese eigenwillige Technik funktionierte.

Meine Leidenschaft für Technik entflammte früh, und das VéloSolex war mein erstes echtes „Opfer“. Es war einfach genug, um es zu verstehen, aber raffiniert genug, um mich zu faszinieren.

Und einmal infiziert, ließ mich das Solex-Fieber nie wieder los.

Für mich ist das Vélosolex Lebensart pur – wie Rotwein, der 2CV und das Klischee, dass wir Franzosen alles mit einem „pffff“ kommentieren.

Die Nachbauten wie Impex oder Black’N’Roll? Nett gemeint, aber das ist wie Instant-Baguette aus dem Tiefkühler: Es sieht ähnlich aus, schmeckt aber nach Enttäuschung.

Als gelernter Kfz-Mechaniker und Karosseriebauer habe ich über die Jahre viel über das Solex gelernt – besonders über seine kleinen Macken, Eigensinnigkeiten und Launen.

Doch bis ich mein erstes eigenes Solex in den Händen halten sollte, musste ich mich noch etwas gedulden.

„Willsch eine, kannsch kumme!“

Anfang der 2000er-Jahre hatte ich schon seit längerer Zeit versucht, ein eigenes Solex zu kaufen. Leider ohne Erfolg.

Die Rollerzeit war längst angebrochen, und das Solex schien von den Straßen nahezu verschwunden zu sein. Kaum jemand interessierte sich noch für diese kleinen Maschinen.

Dann kam dieser eine Mittwoch, der mein Leben mit dem Solex entscheidend verändern sollte.

Damals war ich als Schriftführer und Vorstandsmitglied in einem Angelsportverein tätig. Zu unseren Aufgaben gehörte auch der Thekendienst im Vereinsheim, das für jedermann geöffnet war.

Auf dem Weg dorthin begegnete mir plötzlich ein Mann auf einem schwarzen VéloSoleX 3800er.

Ich staunte nicht schlecht. Jahrelang hatte ich kaum noch ein Solex auf der Straße gesehen, und nun kam mir ausgerechnet eines entgegen!

Doch damit nicht genug.

Während ich hinter der Theke meinen Dienst versah und zufällig aus dem Fenster schaute, traute ich meinen Augen kaum: Derselbe Mann fuhr diesmal auf einem weißen VéloSoleX 5000ervorbei.

Zwei Solex-Begegnungen innerhalb von zwei bis drei Stunden, nachdem ich jahrelang vergeblich nach einem eigenen gesucht hatte!

Das konnte doch kein Zufall sein.

Als der Fahrer wenig später tatsächlich ins Vereinsheim kam, um sich ein Bier zu gönnen, ergriff ich meine Gelegenheit.

Ich fragte ihn, ob er vielleicht noch ein Solex hätte, das er verkaufen würde.

Seine Antwort kam in bestem Ortenauer beziehungsweise Neurieder Dialekt: „Willsch eine, kannsch kumme!“

Was für eine Einladung!

Und so kam ich endlich zu meinem ersten eigenen Solex.

Der Mann hieß Raimund. Wir freundeten uns an und begannen gemeinsam, an unseren Maschinen zu schrauben. Aus meiner jahrelangen Suche wurde ein neues Abenteuer, das zunächst immer größere Kreise ziehen sollte.

Von den ersten Reparaturen zur eigenen Werkstatt

Raimund kannte durch seine Tätigkeit als Vorstand eines Schützenvereins viele Menschen in der Umgebung. Gleichzeitig war er als selbstständiger Podologe beruflich stark eingespannt.

Bald sprach sich herum, dass wir uns mit Solexen beschäftigten. Immer mehr Besitzer kamen zu uns, weil ihre Maschinen repariert oder restauriert werden sollten.

Aus dem gemeinsamen Schrauben entwickelte sich schließlich eine regelmäßige Arbeit.

Da Raimund beruflich wenig Zeit hatte, bot er mir an, die Reparaturen und Restaurierungen gegen Bezahlung zu übernehmen. Ich nahm das Angebot an und kümmerte mich einige Jahre um die Maschinen.

Leider entwickelte sich unsere Zusammenarbeit nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mit der Zeit verlor ich das Vertrauen in Raimund, die Freundschaft zerbrach.

Irgendwann war für mich klar: So konnte und wollte ich nicht weitermachen.

Ich zog einen Schlussstrich und beschloss, meinen eigenen Weg zu gehen.

Zum Glück verfügte ich über geeignete Räumlichkeiten. Damit waren die Voraussetzungen für eine eigene Werkstatt gegeben.

Allerdings gehört zu einer vernünftigen Werkstatt mehr als ein Schraubenschlüssel und eine Portion Enthusiasmus. Es mussten Werkzeuge und Spezialwerkzeuge angeschafft werden, dazu eine Sandstrahlkabine mit Absaugvorrichtung, der passende Kompressor und vieles mehr.

Das alles war natürlich mit erheblichen Kosten verbunden.

Aber ich wollte unabhängig arbeiten, meine eigenen Entscheidungen treffen und selbst für die Qualität meiner Arbeit einstehen.

So entstand meine eigene Solex-Werkstatt.

Rückblickend war diese Zeit ein wichtiger Wendepunkt. Aus der gemeinsamen Leidenschaft mit einem Freund war eine eigenständige Tätigkeit geworden, die ich nach meinen eigenen Vorstellungen gestalten konnte.

Die Geburt von SOS VéloSolex

Während ich mich mit Reparaturen und Restaurierungen beschäftigte, entstand eine weitere Idee.

Warum sollte ich mein Wissen eigentlich nur in der Werkstatt weitergeben?

Da ich mich mit HTML, Java Script, CSS usw. Schritt für Schritt seit Anfang 2000 beschäftigte, wusste ich, wie man eine eigene Website erstellt.

Meine erste Internetseite lief ab 2013 unter der Adresse sos-velosolex.de.

Natürlich war sie damals längst nicht so umfangreich und technisch ausgereift wie die heutige Website. Aber jeder fängt einmal klein an – selbst die längste Trickkiste beginnt schließlich mit der ersten Seite.

Mit der Zeit wuchs das Projekt. Ich sammelte Informationen, dokumentierte technische Besonderheiten und ergänzte immer mehr Inhalte.

Nach der Trennung von Raimund entschied ich mich, meinen eigenen Weg konsequent weiterzugehen. In diesem Zusammenhang stellte ich auch die Internetadresse von der ursprünglichen .de-Domain auf die heutige .com-Adresse um.

2019 begann ich, SOS VéloSoleX gezielt weiterzuentwickeln und zu dem Internetprojekt auszubauen, das ich heute mit viel Engagement betreibe.

Aus den ersten HTML-Seiten wurde nach und nach eine umfangreiche Wissenssammlung für Solex-Freunde.

Besonders am Herzen liegt mir meine Trickkiste. Dort teile ich praktische Erfahrungen, technische Erklärungen und Reparaturtipps, die anderen Besitzern helfen sollen, ihre Maschinen besser zu verstehen und instand zu halten.

Denn ich weiß aus eigener Erfahrung: Beim Solex kann eine Kleinigkeit genügen, um einen stundenlang zu beschäftigen. Und manchmal ist es gerade dieser kleine, unscheinbare Fehler, der einen fast zur Verzweiflung treibt.

Wenn ich anderen mit meinen Erfahrungen helfen kann, hat sich die Arbeit gelohnt.

Meine Website – selbst entwickelt, selbst betreut

SOS VéloSoleX ist für mich mehr als eine Website, auf der ich Informationen veröffentliche. Ich wollte keine fertige Lösung nach einer vorgegebenen Vorlage, sondern eine Website, die ich nach meinen eigenen Vorstellungen gestalten und weiterentwickeln kann.

Deshalb kümmere ich mich selbst um die Inhalte, das Design und die technische Umsetzung. Dazu gehören unter anderem meine eigene interne Suchmaschine, der Besucherzähler, das Gästebuch mit Bewertungsfunktion und das Kontaktformular.

Auch die technische Pflege, die Erweiterung der Navigation, die Verbesserung der Darstellung auf Smartphones und die Suchmaschinenoptimierung gehören zu meinen Aufgaben.

Die dafür erforderlichen Kenntnisse habe ich mir Schritt für Schritt selbst angeeignet. Dabei lernt man bekanntlich nie aus – und manchmal lernt man besonders viel, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es sollte.

Wer schon einmal nach der Ursache einer Fehlermeldung gesucht hat, weiß, wovon ich spreche!

Mir ist wichtig, mein Projekt selbst in der Hand zu haben und möglichst unabhängig zu bleiben. Das bedeutet natürlich auch viel Arbeit. Aber es macht mir Spaß, eigene Lösungen zu entwickeln, neue Dinge zu lernen und die Website kontinuierlich zu verbessern.

SOS VéloSoleX ist ein Projekt, in das ich viel Zeit, eigene Ideen und persönliches Engagement investiere. Und darauf bin ich stolz.

Ein Leben mitten in der Solexwelt

Meine Leidenschaft endet allerdings nicht an der Grenze meines eigenen Projekts.

Über die Jahre habe ich Kontakte zu zahlreichen Solex-Freunden in verschiedenen europäischen Ländern aufgebaut. Besonders eng verbunden fühle ich mich der französischen Solexszene, in der ich viele Menschen kennengelernt habe, die meine Begeisterung für diese Fahrzeuge teilen.

Zu meinen Kontakten gehören auch Hugues Ossent, Franck Méneret und Jean-Claude Toudy von Solexmillenium, die in der französischen Solexwelt und darüber hinaus, als besonders bekannte Persönlichkeiten gelten.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil meines Lebens ist das Solexmuseum „Le Hangar de Jean“ in Penmarc'h im Département Finistère in der Bretagne.

Seit ungefähr 15 Jahren kümmere ich mich während eines Teils der Sommermonate um das Museum und seine Belange.

Dort bin ich mitten in der Welt, die mich schon seit meiner Kindheit begleitet: bei den Fahrzeugen, ihrer Geschichte und den Menschen, die sich mit Begeisterung für ihren Erhalt einsetzen.

Es ist für mich etwas Besonderes, diese Leidenschaft nicht nur zu Hause oder vor dem Computer ausleben zu können, sondern auch mit anderen Solex-Begeisterten zu teilen.

Das VéloSolex hat mich im Laufe meines Lebens an Orte geführt und mit Menschen zusammengebracht, die ich niemals erwartet hätte.

Wenn ich heute darauf zurückblicke, erscheint mir diese Entwicklung manchmal selbst ein wenig unglaublich.

Warum ich das alles mache

Vielleicht fragt sich der eine oder andere, warum man so viel Zeit und Energie in ein Fahrzeug investieren kann, dessen große Zeit längst vorbei zu sein scheint.

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach.

Das VéloSolex ist für mich nicht bloß ein altes Mofa. Es ist ein Stück meiner Kindheit, ein Stück französischer Kultur, Alltagsgeschichte und ein technisches Konzept, das mich bis heute fasziniert.

Ich möchte dazu beitragen, dass dieses Wissen nicht verloren geht.

Mit SOS VéloSolex möchte ich Erfahrungen weitergeben, technische Zusammenhänge verständlich erklären und anderen Solex-Freunden helfen.

Dabei geht es mir nicht darum, möglichst viel Aufhebens um meine Person zu machen. Viel wichtiger ist mir, dass die Informationen nützlich sind und dass die Begeisterung für diese Fahrzeuge weiterlebt.

Ich möchte, dass die vielen über Jahre entstandenen Inhalte erhalten bleiben.

Denn Wissen, das man weitergibt, kann auch in Zukunft anderen helfen.

Mein Fazit

Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass mich das VéloSolex eines Tages zu einer eigenen Werkstatt, einer umfangreichen Website, zahlreichen Kontakten in der europäischen Solexszene und ich mich um ein Solex Museum in der Bretagne kümmern würde, hätte ich wahrscheinlich nur gelacht.

Damals wollte ich einfach fahren und herausfinden, wie diese kleinen Maschinen funktionieren.

Heute, viele Jahre später, bin ich immer noch dabei.

Aus der kindlichen Neugier ist eine Leidenschaft fürs Leben geworden.

Und solange mich das Solex-Fieber nicht loslässt, wird es bei SOS VéloSolex wohl auch weiterhin etwas Neues zu entdecken, zu erklären und zu verbessern geben.

Denn wer einmal mit dem Solex-Virus infiziert ist, wird ihn bekanntlich nur schwer wieder los.

Und ehrlich gesagt: Ich habe auch gar nicht vor, mich davon heilen zu lassen! 😉